Ikigai und die kreative Verrücktheit.

Heute schreibe ich über ein Thema, zu dem mich das Buch Ikigai von Ken Mogi inspiriert hat. Das Lebenskonzept Ikigai basiert auf fünf Säulen, die zu einem erfüllten Leben beitragen: klein anfangen, loslassen, Harmonie und Nachhaltigkeit würdigen, die Freude an den kleinen Dingen schätzen und im Hier und Jetzt leben. Diese Prinzipien klingen auf den ersten Blick einfach, doch sie in den Alltag zu integrieren ist die hohe Kunst.

Eine zentrale Weisheit im Ikigai ist es, den individuellen, persönlichen Grund zu finden für den man morgens aufsteht. Hat man diesen Grund erst einmal entdeckt, kann im Leben kaum noch etwas grundlegend schiefgehen. Für mich war es schon immer von Bedeutung, Dinge entweder ganz oder gar nicht anzugehen – ein leidenschaftlicher Ansatz, den man vielleicht als kreative Verrücktheit bezeichnen könnte. Wenn ich etwas finde, das mich erfüllt, widme ich mich dieser Sache mit vollem Einsatz und dem Anspruch, das Beste daraus zu machen. Mir ist es wichtig mein volles Potenzial auszuschöpfen, selbst wenn die Früchte dieser Arbeit erst später geerntet werden können.

Das Schöne am Ikigai ist, dass es keine äussere Anerkennung erfordert, solange das, was man tut, einen selbst erfüllt.

Ein weiteres wichtiges Prinzip im Ikigai ist Kodawari. Es bedeutet so viel wie Hingabe und Beharrlichkeit, auch wenn der Weg steinig ist. Dieser Ansatz erfordert, sich nicht mit Mittelmässigkeit zufriedenzugeben, sondern kontinuierlich an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten um das Bestmögliche aus einer Aufgabe zu machen. Dies steht oft im Widerspruch zum Streben nach schnellem Profit, aber auf lange Sicht führt es zu einem zufriedeneren und erfüllteren Leben.

Ein prominentes Beispiel für Kodawari ist Steve Jobs, der mit seinem ausgeprägten Sinn für Design und Qualität das iPhone perfektionierte. Diese Detailverliebtheit mag auf Aussenstehende manchmal verrückt wirken, doch sie macht Grosses grossartig. Sie macht uns zu Künstlern. Oft verfolgen Menschen mit Kodawari ihre Ziele, ohne dass es einen klaren, rationalen Grund gibt.

Dieses Streben nach Exzellenz, wie es durch Kodawari beschrieben wird, hat nicht nur einen praktischen, sondern auch einen tief philosophischen Aspekt. Es geht nicht darum, nur die äusseren Erfolge oder das Lob anderer zu erlangen, sondern eine innere Zufriedenheit zu kultivieren. Es ist die Freude am Prozess selbst, die Hingabe an das Detail und die Liebe zur eigenen Arbeit.

Ein weiterer zentraler Gedanke im Ikigai ist die Balance zwischen Selbstverwirklichung und dem Nutzen für die Gemeinschaft. In unserer modernen, oft schnelllebigen, profitorientierten Welt, wird das Streben nach persönlichem Glück häufig von gesellschaftlichen Normen oder Erwartungen überschattet. Doch Ikigai lehrt, dass wahres Glück nicht nur in der Verwirklichung der eigenen Träume liegt, sondern auch in der Frage, wie diese Träume anderen zugutekommen können. Es geht darum, eine Harmonie zwischen dem, was uns persönlich erfüllt, und dem, was unsere Umgebung bereichert, zu finden.

Diese Lebensphilosophie erinnert uns daran, dass es nicht immer die grossen, weltbewegenden Entscheidungen sind, die zu einem erfüllten Leben führen. Oft sind es die kleinen, alltäglichen Dinge – das bewusste Geniessen eines Sonnenaufgangs oder die Dankbarkeit für eine ruhige Tasse Tee am Morgen, die den Unterschied macht. Ikigai ist kein fernes Ziel, sondern ein ständiger Begleiter, der uns dazu anregt, die Schönheit und den Sinn im Alltag zu finden.

Wenn wir diese Prinzipien auf unser Leben anwenden, stellen wir fest, dass der Weg zum Glück weniger kompliziert ist, als wir oft glauben. Es geht nicht darum, immer mehr zu erreichen oder den Erwartungen anderer gerecht zu werden. Vielmehr geht es darum, sich selbst treu zu bleiben, kontinuierlich an sich zu arbeiten und Freude an dem zu finden, was wir tun. Das ist die Essenz von Ikigai: ein Leben mit Sinn.

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Herkunft und Scham: Warum hält sich dieses Gefühl?